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Malteser Sandkrug

Rettungsgasse bilden rettet Leben!

17.01.2018
Bildquelle: Berliner Zeitung

Wenn auf Stadt- und Landstraßen oder Bundesautobahnen das Martinshorn erklingt und blaues Licht aufblitzt, wissen auch bei uns im schönen Oldenburger Land viele Verkehrsteilnehmer nicht (mehr), wie man sich richtig verhält und eine korrekte Rettungsgasse für die anrückenden Einsatzfahrzeuge bildet.

 
Die Rettungsgasse bietet für unsere Einsatzkräfte oftmals den entscheidenden Zeitvorteil um effektiv Menschenleben zu retten und schnellstmöglich Leiden zu lindern!“ erklärt dazu Andreas Bode, Rettungswachenleiter der Malteser in Sandkrug. „Es ist nicht die Geschwindigkeit die ein Rettungswagen oder ein Notarzteinsatzfahrzeug fahren, vielmehr die ungehinderte Durchfahrt bei Stau, an roten Ampeln oder in Kreuzungsbereichen sowie der schnelle Zugang zum Patienten bringen uns die entscheidenden Minuten.“


Feuerwehr und Rettungsdienst sind immer da, wenn sie gebraucht werden - und zwar sofort, vorausgesetzt man lässt sie. Immer wieder kommt es vor, dass durch eine fehlende Rettungsgasse auf Autobahnen oder rücksichtslos zugeparkte Straßen wertvolle Zeit für die Rettung von Menschenleben verloren gehen. Nicht selten ergeben sich bei Einsatzfahrten Gefahrensituationen mit anderen Verkehrsteilnehmern.

 
Die Verkehrsteilnehmer unterschätzen oft Größe und Gewicht eines anrückenden Rettungswagens. So ein Fahrzeug ist 230 cm breit und wiegt gut 6 Tonnen! Unsere erfahrenen Kollegen zaubern die Einsatzfahrzeuge schon jetzt durch die kleinsten Lücken, aber auch hier werden uns durch einfache Physik und dem gesundem Menschenverstand enge Grenzen gesetzt. Wir sind ganz klar auf die Mithilfe der anderen Verkehrsteilnehmer angewiesen uns die entscheidenden Zentimeter Platz zu verschaffen um möglichst ohne größeren Zeitverzug den Einsatzort zu erreichen.“


Der Gesetzgeber hat Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und anderen Hilfsdiensten in der Straßenverkehrsordnung (StVO) ein sogenanntes „Wegerecht“ eingeräumt, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten, schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.
Blaulicht und Martinshorn gemeinsam gewähren einem Einsatzfahrzeug das Wegerecht, was bedeutet, dass andere Verkehrsteilnehmer sofort freie Bahn zu schaffen haben. Darum sollte bei allen Verkehrsteilnehmern das Motto gelten: Keine Panik bei Blaulicht und Martinshorn – bewahren sie Ruhe! Orientieren sie sich: Woher kommt das Signal? In welche Richtung bewegen sich die Einsatzfahrzeuge? Wie viele Fahrzeuge sind es? Möglicherweise folgen weitere Fahrzeuge!

Beachten sie bitte folgende Verhaltenstipps: 

  • auf einspurigen Fahrbahnen fahren alle Fahrzeuge nach rechts an den jeweiligen Straßenrand
  • fährt ein Einsatzfahrzeug auf gleicher Höhe, Geschwindigkeit verringern und Einsatzfahrzeug einscheren lassen.
  • bei entgegenkommenden Einsatzfahrzeugen nach rechts ausweichen, Tempo verringern und notfalls anhalten.
  • vor einer roten Ampel nach rechts ausweichen und ggf. vorsichtig über die Haltelinie in die Kreuzung einfahren, wenn dies der Verkehr zulässt. Schon ein Meter kann nachfolgenden Fahrzeugen das Rangieren ermöglichen und dem Einsatzfahrzeug so freie Fahrt bieten.
  • auch Fußgänger und Radfahrer müssen Einsatzfahrzeuge passieren lassen und dabei auf eigene Vorrechte verzichten.
  • immer den Blinker setzen um den Einsatzfahrzeugen anzuzeigen, in welche Richtung man Platz schaffen will, dabei auf andere Verkehrsteilnehmer achten.
  • starten sie vor Unfallstellen keine „wilden Wendemanöver“, den anfahrenden Einsatzfahrzeugen könnte hierdurch die Anfahrt zur Einsatzstelle blockiert werden.


Auch auf zwei- bzw. dreispurigen Straßen sind die Einsatzkräfte, vor allem aber die Notfallopfer darauf angewiesen, dass sich die Kraftfahrer richtig verhalten. Und: Je schneller die Hilfe ankommt, desto schneller löst sich auch der Stau auf! Dazu folgende Tipps:

  • auf zweispurigen Autobahnen ist zwischen den Fahrspuren die Rettungsgasse zu bilden
  • bei drei- und mehrspurigen Autobahn ist jeweils zwischen der linken und rechts daneben liegenden Spur Platz für die Einsatzfahrzeuge zu schaffen
  • schon bei beginnendem Stau muss die Rettungsgasse gebildet werden
  • den rückwärtigen Verkehr durch Rückspiegel und Seitenspiegel beobachten und vorsichtig zur Seite fahren
    aufmerksam bleiben, auch wenn schon Einsatzfahrzeuge vorbeigefahren sind. Oftmals folgen weitere Fahrzeuge
    Standspur freihalten
  • Wichtig: Wenn das erste Rettungsfahrzeug vorbeigefahren ist, die Rettungsgasse nicht wieder schließen! Es können noch weitere Rettungsfahrzeuge folgen – auch nach einiger Zeit noch. Die Rettungsgasse so lange offenhalten, bis der Verkehr wieder rollt!


Wer die Rettungsgasse nicht vorschriftsmäßig bildet, muss mit einem Verwarngeld rechnen. Der Standstreifen muss ebenfalls wie die Rettungsgasse frei bleiben. Den Standstreifen als Stautangente zu nutzen, wird (noch) mit einer Geldstrafe und Punkten in Flensburg geahndet. Die Vorschriften gelten ebenso für Motorradfahrer.

 
Man sollte sich immer bewusst sein, man könnte auch selbst einmal auf die Hilfe der Rettungskräfte angewiesen sein“, erklärt Bode. Eigentlich sei es doch ganz einfach: Ruhe bewahren, Blinker rechts setzen, den Wagen verlangsamen und den anrückenden Kollegen von Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei durch vorsichtiges beiseite fahren den notwendigen Platz verschaffen. „Das kann wirklich jeder, und es ist keine Zauberei!"

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE49370601201201225112  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7